25. Februar 2026: Vortrag '80 Jahre Nordrhein-Westfalen'
Lange Zeit schien die Geschichte der Gründungsphase Nordrhein-Westfalens auserzählt. Nach gängigem Verständnis galt das Land als typisches „Bindestrich-Gebilde“ der Nachkriegszeit – ein Produkt administrativer Notwendigkeiten, ohne eigene Vorgeschichte oder gewachsene Identität. Entstanden sei es 1946 unter britischer Besatzung aus außen- und wirtschaftspolitischen Motiven – ein willkürliches Konglomerat aus den nördlichen Teilen der alten Rheinprovinz und der preußischen Provinz Westfalen, 1947 ergänzt um Lippe-Detmold. Der Gründungsakt, die sogenannte „Operation Marriage“, wurde zum Sinnbild einer von den Briten bestimmten Verwaltungsmaßnahme, die Rheinländer und Westfalen vereinte, ohne sie zu befragen.
Neuere Forschungen stellen diese Sicht zunehmend infrage. Berücksichtigt man die Reformpläne der Weimarer Reichsreformdebatte und Initiativen der Ruhrindustrie nach dem Ersten Weltkrieg zur Schaffung einer Wirtschaftsprovinz „Rheinland-Westfalen“, erscheint Nordrhein-Westfalen nicht länger als bloßes Produkt britischer Administration. Vielmehr lässt sich seine Entstehung als späte Umsetzung älterer deutscher Ideen und Konzepte begreifen – als Realisierung eines Gedankens mit deutlich früheren Wurzeln.
Referent: Dr. Guido Hitze
Mittwoch, 25. Februar 2026, 19:30 Uhr (in der Reihe Mittwochsclub)
Schlosskapelle in der Zitadelle Jülich
25. März 2026: Vortrag 'Die herrschende Ordnung bedroht. Vor 500 Jahren tobte in Deutschland der Bauernkrieg'
500 Jahre liegt er jetzt zurück, doch der Deutsche Bauernkrieg von 1524/25 ist heute mehr denn je von einer frappierenden Aktualität. Er fand zwar zunächst nur in Gestalt zahlreicher lokaler Aufstände von Bauern in der
Schweiz, in Österreich sowie im südlichen Deutschland und später in großen Teilen Thüringens, Sachsens und Frankens statt, doch hat sich in der Historiographie die Bezeichnung „Deutscher Bauernkrieg“ eingebürgert und seit dem 19. und 20. Jahrhundert endgültig durchgesetzt. Seit 1975 wird dieser Krieg zudem „die Revolution des gemeinen Mannes“ genannt.
In unserer Gegenwart, die gerne Vergleiche zu Ereignissen aus der Vergangenheit zieht, sprangen bei den Bauernprotesten 2024 manchen Beobachtern Ähnlichkeiten zu den bäuerlichen Erhebungen vor 500 Jahren ins Auge. Das mag sicher eine übertriebene Sicht der Dinge sein, doch auch darauf blickt der Referent. Er schildert aber zuvor die in verschiedenen Teilen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz stattfindenden, oft genug unverbundenen, verwirrenden Kampfhandlungen zwischen den bäuerlichen Insurgenten und den Heeren der Fürsten. Letztere reagierten auf die tödliche Bedrohung ihrer vermeintlich gottgegebenen Herrschaft brachial und hielten nach ihrem Sieg ein zum Teil furchtbares Strafgericht. Der „gemeine Mann“ jedoch verblieb in seiner untergeordneten Stellung und war bis in das 19. Jahrhundert hinein weiter ohne jeglichen Anteil
am politischen Leben in Deutschland.
Referent: Dr. Mahmoud Kandil
Mittwoch, 25. März 2026, 19:30 Uhr (in der Reihe Mittwochsclub)
Schlosskapelle in der Zitadelle Jülich
29. April 2026: Vortrag 'Drei Jahre Baubegleitung: 2000 Jahre Geschichte. Neue archäologische Funde im Zuge der Jülicher Markt- und Kirchplatzsanierung'
Im Rahmen des Integrierten Handlungskonzeptes wird die Jülicher Innenstadt neugestaltet. In den vergangenen drei Jahren fanden umfangreiche Baumaßnahmen im Bereich von Markt- und Kirchplatz, Stiftsherrenstraße, Baierstraße und Kölnstraße statt. Die archäologische Baubegleitung in der Jülicher Innenstadt erbrachte interessante Ergebnisse im Hinblick auf die im wahrsten Sinne des Wortes vielschichtige Vergangenheit der Stadt Jülich. Spuren der römischen Vergangenheit stehen neben solchen aus Mittelalter und Früher Neuzeit. Bemerkenswert war der Fund eines Stückes der Kastellmauer aus der Spätantike am Rand des Kirchplatzes zur Stiftsherrenstraße hin. Zahlreiche Grablegen im Bereich des Kirchplatzes zeigen die jahrhundertelange Siedlungstradition in Jülich auch abseits der durch Schriftquellen besser dokumentierten Zeitabschnitte auf. Der Vortrag nimmt uns mit auf die auch technisch herausfordernde Grabung und zeigt, wie sich aus den Befunden und Funden neue Erkenntnisse zur Jülicher Stadtgeschichte formen.
Referenten: Horst Husmann und Toni Runkel
Mittwoch, 29. April 2026, 19:30 Uhr (in der Reihe Mittwochsclub)
– im Anschluss an die JGV-Jahreshauptversammlung 2026
Schlosskapelle in der Zitadelle Jülich
30. September 2026: Vortrag 'Licht und Schatten – Die Italienreise Johann Wilhelm Schirmers im Spiegel des Briefwechsels mit dem Kunsthistoriker Karl Schnaase'
Der aus Jülich stammende Landschaftsmaler Johann Wilhelm Schirmer unternahm 1839/40 eine Reise nach Italien. Sie diente ihm dazu, sich mit den Werken bedeutender Landschaftsmaler des Barocks auseinanderzusetzen und zugleich die italienische Landschaft mit ihrem ganz eigenen Gepräge zu studieren. Aus Aufzeichnungen und Briefen wissen wir, dass Schirmer diese Reise in mehrfacher Hinsicht als große Herausforderung erlebt hat. Neben den Strapazen der Reise, zeichnet er ein recht düsteres Bild vom Charakter der Italiener. Einen besonders regen Austausch pflegte Schirmer mit dem Düsseldorfer Juristen Karl Schnaase, der sich auch als Kunsthistoriker betätigte. Er übernahm aus der Ferne per Brief die Aufgabe eines Art Cicerone für den jungen Schirmer. Der Vortrag gibt tiefe Einblicke in die Korrespondenz, die erst vor wenigen Jahren wiederentdeckt wurde.
Referent: Prof. Dr. Hendrik Karge
Mittwoch, 30. September 2026, 19:30 Uhr (in der Reihe Mittwochsclub)
Schlosskapelle in der Zitadelle Jülich
28. Oktober 2026: Vortrag 'Freiheit und Gesellschaft in der Weimarer Republik'
Die November-Revolution 1918 und die daraus entstandene Weimarer Republik führten allgemein zu einer großen Zunahme persönlicher und gesellschaftlicher Freiheiten. Erwähnt seien nur die bereits in der Weimarer Verfassung erstmals verankerte Gleichberechtigung der Frau, die durch die Abschaffung der Zensur in allen Bereichen blühende Weimarer Kultur, letztlich die Freiheit von Angst, sein Leben als Soldat zu verlieren. Allerdings waren viele Freiheiten wie etwa diejenigen sexueller Minderheiten auf die Metropolen beschränkt und erreichten die deutsche Provinz nicht. Der durch Serien wie „Babylon Berlin“ sehr einseitig ausgerichtete Fokus auf diese Thematik galt nicht für ganz Deutschland. Was die Weimarer Republik dauerhaft nicht leisten konnte, war die Freiheit von sozialer Not und Verelendung durch die im Winter 1929/30 einsetzende Massenarbeitslosigkeit. Dieses Defizit brachte Hitler an die Macht, woraus man die These ableiten kann, dass soziale Fragen für die Gesamtheit einer Bevölkerung stets größeres Gewicht besitzen als kulturelle Fragen.
Referent: Prof. Dr. Bernd Braun
28. Oktober 2026, 19:30 Uhr (in der Reihe Mittwochsclub)
Schlosskapelle in der Zitadelle Jülich
25. November 2026: Vortrag 'Konrad Adenauer. Leben in Zeiten des Umbruchs'
Als Konrad Adenauer im September 1949 mit 73 Jahren zum ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt wurde, hatte er der zwei Weltkriege, den Untergang einer Monarchie, das Scheitern einer parlamentarischen Republik und die Herrschaft einer totalitären Diktatur erlebte.
Vor dem Hintergrund dieser fundamentalen Unsicherheitserfahrung konnte er sich nicht sicher sein, ob die westdeutsche Nachkriegsdemokratie länger Bestand haben würde. Sein Ziel war es daher, sie möglichst rasch und unumkehrbar zu stabilisieren.
In seinem Vortrag zeichnet Holger Löttel von der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus ein Leben in Zeiten des Umbruchs nach, das in historischpolitischer Hinsicht aktueller erscheint als jemals zuvor.
Referent: Dr. Holger Löttel
Mittwoch, 25. November 2026, 19:30 Uhr
(in der Reihe Mittwochsclub als online-Veranstatung)
